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Wir sind inzwischen weit im Süden der Südinsel. Genauer im Südwesten, in der Welt der Fjorde. Hier entstanden zu Urzeiten durch mächtige Gletscherbewegungen in der Eiszeit tiefe Fjord. Die 14 Fjorde der südwestlichen Ecke Neuseelands entstanden vor gut 100.000 Jahre. Der Milford Sound ist der nördlichste und erstreckt sich 15 Kilometer von der Tasmansee ins Land. Die Felswände an seinen Flanken sind bis zu 1200 Meter hoch. Der Mitre Peak ist die höchste mit 1692 Metern. Die Fjordregion gehört zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Jährlich fallen bis zu 8000 mm Niederschlag, was der Grund ist, warum das Tauchen hier in den Sounds so anders. Bis zu 15 Meter kann die Süßwasserschicht betragen, die auf Grund der Dichte von Süßwasser oben auf dem Salzwasser der Sounds liegt. Je nach Jahreszeit kann das schon bedeuten, dass in dieser Tiefe auch tagsüber finstere Nacht herrscht.
Schon lange ist es ein Traum von mir, hier zu tauchen und selbst zu erleben, was sich hier unten tummelt. Bereits bei meiner letzten Reise hatte ich versucht einen Platz auf dem kleinen Tauchschiff zu buchen. Es gibt nur eine Basis, die das Tauchen hier anbietet und die Plätze sind begehrt. Diesmal wollte ich sicher gehen und habe bereits Monate im Voraus gebucht. Lance und Simone sind die Besitzer der Basis. Simone ist Deutsche und hat vor Jahren Lance in Deutschland kennengelernt. Wo die Liebe hinfällt, sie ist mit ihm nach Neuseeland gegangen und in den Milford Sound gezogen, denn das tägliche shuttlen von Queenstown war ihnen irgendwann zu viel.
Heute fahren sie in der Saison täglich zwei Mal hinaus und bieten vormittags zwei und nachmittags bei Bedarf einen weiteren Tauchgang an. Wie die großen Ausflugsboote fahren sie den Fjord entlang Richtung Tasmansee. Nur hier bei Descend Diving ist das Sightseeing im Preis kostenlos inbegriffen. Wir tauchen in einer kleinen Bucht ab. Die Süßwasserschicht ist überraschend dünn. In nur 6 Metern Tiefe haben wir bereits die Salzwasserschicht erreicht und es wird schlagartig klar. Es ist nicht komplett dunkel wie erwartet, aber dennoch eher dämmriges Licht. Bereits hier sind die ersten schwarzen Korallen angesiedelt und werden mit zunehmender Tiefe größer. Das Wasser ist grünlich, aber mit knapp 15 Metern die Sicht sehr gut. Da ich heute noch über den Pass zurück nach Manapouri am gut 140 km entfernten Lake Manapouri fahren möchte, bleibe ich oberhalb von 20 Metern. Dennoch kommt es mir vor, als befände ich mich in großer Tiefe, wenn ich mir den Bewuchs betrachte. Die Wassertemperatur ist mit 14 Grad etwas frisch und ich bin froh, dass Descend Diving allen Gästen anbietet, ihre brandneuen Trockentauchanzüge zu leihen. Hätte nicht gedacht, hier am anderen Ende der Welt ein deutsches Fabrikat leihen zu können, doch Simone kauft gerne Qualität und Lance verlässt sich auf ihr Urteil.

Gegen Ende des kurzen Tauchgangs begegnet uns beim Auftauchen im Kelp ein Draughtsboard shark. Diese Teppichhaie sind hier sehr häufig zu sehen (Cephaloscyllium isabellum). Aber auch einige andere Haie sind hier regelmäßig anzutreffen. Kleine Dornhaie, Grundhaie und auch große pelagische Tiere. Diese allerdings eher selten. Häufiger dagegen sind Siebenkiemer, die allerdings gerne tief im Inneren des Sounds anzutreffen sind, wo die Sichtweiten eher gering sind und das Tauchen weniger attraktiv. Auch Rochen, Seepferdchen, Kraken und im Kelp lebende Rifffische sind hier überall. Selbst Freunde der kleinen Nacktkiemer kommen hier voll auf ihre Kosten. Die wunderschöne Jason mirabilis findet man fast überall. Für mich war es ein tolles Erlebnis hier tauchen zu dürfen und ich werde sicher bei meinem nächsten Besuch wieder kommen. Dann allerdings für mehrere Tage, um auf die Suche nach den Siebenkiemerhaie zu gehen.
Danke an Lance und Simone, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, ihre Taucherwelt kennen zu lernen, denn wenn auch täglich tausende Touristen den Milford Sound besuchen, bei Descend Diving ist man nur in sehr kleinen Gruppen unterwegs und kann sich sicher sein, keine anderen Taucher unter Wasser anzutreffen.
Das war unsere letzte Tauchstation. Leider geht es jetzt wieder nach Hause, denn die boot wartet…
www.descend.co.nz/
Descend Scuba Diving New Zealand (https://www.facebook.com/descendNZ/)

Alle UW-Bilder sind mit einer Nikon D800 im SEACAM Gehäuse geschossen. Sicheres Tauchen mit MARES – just add water Equpment. Security für Deine Fotoausrüstung mit FotoFairSicherung