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Einen weiteren Tag später erreichen wir Brown Bluff, eine Bucht an der Spitze von Grahams Land, womit wir die Antarktis erreicht haben. Es ist auch zu spüren, dass wir angekommen sind. Die Außentemperatur beträgt minus acht Grad Celsius. Der Himmel ist bedeckt und es weht ein eisiger Wind. Den Vormittag verbringen wir damit, durch die Eisfelder zwischen den Inseln zu kreuzen. Es ist zu windig, um an Land zu gehen oder abzutauchen an den Eisbergen, die hier überall treiben. Gegen 14 Uhr kommt Catherine und gibt uns ein Briefing. „Wir versuchen einen Eisberg zu finden, der auf Grund liegt, denn treibende Eisberge können bei dem Wind auch rollen, was keiner von Euch erleben möchte.“ Fragend sehen wir uns an. Wie kann ein Eisberg rollen, von dem 85% unter Wasser liegen? Catherine erklärt: „wenn Wind und Strömungen am gleichen Ende drücken, kommt selbst ein großer Eisberg, der überwiegend unter Wasser ist, aus dem Gleichgewicht. Wenn dann Taucher an dessen Flanke im Wasser sind, wird es lebensgefährlich“. Ich fahre jetzt raus und suche einen Eisberg aus.
Gesagt, getan. Wir stehen trotz eisiger Kälte alle bereit für den ersten Eisbergtauchgang. Catherine kommt zurück und erklärt, an welchem Eisberg sie vor hat uns tauchen zu lassen. Sie deutet weit hinein in die Bucht. Etwas geschockt stelle ich fest, dass sie genau auf den hässlichsten, grauen Eisberg deutet, der weit und breit zu sehen ist. Das kann jetzt wohl nicht ihr Ernst sein! Eine Diskussion entbrennt. Nach einigem hin und her macht sich der Großteil der Taucher auf den Weg zum „hässlichen Eisberg“. Schlecht gelaunt tauche ich ab. Was mich erwartet, ist alles andere als hässlich. Ein perfekt eisblauer Klotz schwimmt da vor mir. Die Wände sind golfballartig geformt und bilden unzählige Spalten und Höhlen aus. Ein Traum von einer Fotokulisse liegt direkt vor uns. Ich kann mich gar nicht sattsehen an dieser eisigen Schönheit. Mein heutiger Tauchpartner ist Jochen. Auch er fotografiert leidenschaftlich und so schwimmen wir fasziniert Meter um Meter an dem Eisberg entlang. Dutzende Motive ergeben sich und wir lichten uns gegenseitig ab. Die Zeit verfliegt und bis ich mich versehe, sind 45 Minuten vergangen. Eigentlich wollen wir nun auftauchen, doch in nur drei Metern Tiefe entdecken wir einen „Balkon“ im Eis, der bizarrer nicht sein könnte. Wie die Mauer einer Festung sind gleichförmige Zacken ausgebildet. An der Oberfläche spüre ich meine Finger kaum noch, dennoch muss Jochen noch einen Moment als Model verharren. Ich schieße noch ein paar Halb- und Halb Aufnahmen, bevor wir zurück zum Zodiac schwimmen. Der Wind ist so heftig, dass ich immer wieder mit der Maske unter Wasser tauchen muss, da sie zufriert. An einen Landgang nach diesem Tauchgang ist nicht zu denken. Finger, Füße und Gesicht brennen vor Kälte. Keiner hadert mit diesem Umstand. Das, was wir gerade unter Wasser erlebt haben, ist all das Leid mehr als wert. Ich entschuldige mich bei Catherine, dass ich an ihrer Wahl des Eisberges gezweifelt habe.
Die kommenden Tage tauchen wir an weiteren Eisbergen. Auch eine Felswand steht auf der Agenda, doch so einen schönen Eisberg bekommen wir nicht mehr wieder vor die Linse. Die Landgänge sind nicht so eindrücklich, wie auf Südgeorgien, immerhin finden sich jedoch unzählige Robben und Pinguine. Gewaltig sind die dicken Weddellrobben, genau wie die fast zum Verwechseln ähnlichen Krabbenfresserrobben. Beide sind hellgrau mit dunklen Flecken. Nur die Gesichter unterscheiden sie deutlich. Während die Weddellrobben „hundsartige“ Gesichter haben, sind die Gesichter der Krabbenfresserrobben „katzenartig“. Leider begegnet mir unter Wasser kein weiterer Seeleopard, auch wenn ich es mir noch so erhoffe. Ein Grund mehr, wieder einmal hierher zu kommen.

Für den letzten Abend in der Antarktis hat sich die Crew einen besonderen Ausklang für uns einfallen lassen. Es wird am Außendeck gegrillt. Biertische und Bänke sind aufgestellt. Der Himmel ist bedeckt, doch das Meer so ruhig wie noch an keinem anderen Tag unserer Reise. Das Essen ist lecker, die Stimmung ausgelassen. Es gibt Bier und Glühwein, je nach Gusto. Lange nachdem die Sonne am Horizont verschwunden ist, herrscht immer noch Zwielicht, als plötzlich Wale direkt neben dem Boot auftauchen. Fast zwanzig Minuten geleiten sie die Plancius, da gesellen sich auch noch Delfine hinzu. Dazwischen immer wieder Pinguine und gelegentlich Robben, die ihre Köpfe aus dem Wasser strecken. Keiner spricht mehr ein Wort. Alle starren nur noch gebannt aufs Meer. Das ist jetzt nicht wirklich wahr, denke ich. Wäre das jetzt ein Walt Disney Film, würde ich nur schmunzeln. Und doch ist es eine Szenerie, die man nicht mit Worten beschreiben kann. Es ist einfach nur schön. Danke schön Natur.

Weitere Infos: www.waterworld.at
Oder: www.oceanwide-expeditions.com/de

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